Natur und Mensch

Co­ro­na: Kin­der­haus Wei­mar macht trotz­dem An­ge­bo­te

Ramona, erzähl uns doch mal etwas über deinen Beruf!

Ramona: Ich bin Diplom-Sozialpädagogin und arbeite seit genau 25 Jahren hier im Kinderhaus Weimar. Und seit 5 Jahren bin ich die Leiterin des Kinderhauses.

Welche Angebote gibt es normalerweise im Kinderhaus Weimar? 

Ramona: Wir sind eine Anlaufstelle für Kinder in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Das Konzept haben wir Stück für Stück entwickelt. Die Bedürfnisse der Kinder sind die Grundlage für unsere Arbeit. Das Prinzip der offenen Kinder-  und Jugendarbeit das Trösten, Zuhören, viel Geborgenheit geben, ist uns sehr wichtig. 

Wir haben viele Angebote für die Kinder. Wir machen viel Kinderkulturarbeit und bieten Projekte an, aber auch mit Sport, Bewegung und Freizeit, also alles, was Kinder so wollen und mögen.

Normalerweise treffen sich hier am Tag zwischen 30 und 35 Kinder, auch am Samstag. Sie kommen zur Hausaufgabenbetreuung und um die Angebote des Kinderhauses wahrzunehmen. 

Wer kommt ins Kinderhaus?

Ramona: Zu uns kommen hauptsächlich Kinder, denen es in ihren Herkunftsfamilien nicht so gut geht. Es sind viele ärmere Familien oder Familien mit sehr vielen Kindern. Die Eltern können sich oft nicht so gut um die Kinder kümmern. Viele Eltern sind alleinerziehend und wir betreuen auch Kinder, die bis zu sieben Geschwister haben. Wir haben auch Migrantenfamilien, in denen wenig Deutsch gesprochen wird.   

Wie geht das Kinderhaus mit der Corona-Pandemie um? 

Ramona: Also das ist ganz dramatisch, wir haben seit jetzt über fünf Wochen geschlossen. Das gab es noch nie, das Kinderhaus ist eigentlich nur sonntags zu. Wir sind für die Kinder eine wichtige Anlaufstelle. Das Kinderhaus ist ein Schutzort für Kinder und wir sind sowas wie eine zweite Familie für sie.

Eigentlich kommen die Kinder nach der Schule sofort hier her und gehen dann so um 19 oder 20 Uhr erst nach Hause. Die Nachmittagsbetreuung für die Kinder ist jetzt komplett weggefallen in der Corona-Zeit. Deshalb haben wir überlegt, wie wir mit den Kindern trotzdem arbeiten können und uns Angebote ausgedacht.

Welche Angebote gibt es in der Corona-Zeit?

Ramona: Wir drehen jede Woche ein Video mit unserer Handpuppe Luzi. Luzi unterhält sich mit einer Kollegin. Sie unterhalten sich und beantworten den Kindern Fragen. Wir haben auch eine Hausaufgabenbetreuung per Telefon. Da helfen wir den Kindern, wo es geht.

Es gibt die Aktion „Ein warmes Mittagessen auf Kinderhausrädern”. Auch dank des Deutschen Kinderhilfswerkes können wir das anbieten. Wir beliefern jeden Tag 30 bis 40 Kinder mit Mittagessen. Und wir hoffen, dass wir das noch ein paar Wochen machen können, weil die Not wirklich groß ist. 

Seit dieser Woche haben wir zwei neue Angebote: eine Sport-Challenge und eins-zu-eins-Spaziergänge. Viele Kinder sind unmotiviert, alleine nach draußen zu gehen. Wir gehen  eine Stunde lang dann mit ihnen spazieren - ein Kind ein Betreuer, mit Abstand natürlich. Und es gibt auch kleine Fahrradrunden. 

Wie reagieren die Kinder und Familien auf eure Angebote? 

Ramona: Die Kinder sind sehr glücklich! Es sind ja Kinder und Familien, die wir kennen. Generell wissen die Familien schon unsere Arbeit sehr zu schätzen. Aber was wirklich für uns neu ist, ist dass wir sehr viel Dank in Worten bekommen. Die Kinder schicken uns viel Dank per Handy, an den Türen wird uns zu gewunken und laut gerufen “Danke für alles!” - das gibt uns viel Kraft und Energie. Wir haben das Gefühl, dass wir mit unseren Kindern und Familien viel enger zusammenrücken.

Was macht dir besonders Spaß an deiner Arbeit?

Ramona: Also generell macht mir Spaß, dass dieser Job nie langweilig wird. Ich bin ein Mensch voller Ideen. Das ist toll, dass ich die in diesem Beruf ausleben kann. Und wir haben auch ein tolles Team im Kinderhaus, das auch mitzieht und die Ideen mit mir entwickelt. 

Vielen Dank für das Interview!

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